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 Eine Goldhochzeit mit Gartenzwerg

Nideggen. «Es ist die Freiheit.» Erich Jungbluth lehnt sich in seinem Gartenstuhl zurück und lacht.

«Na, und die gute Luft im Rurtal.» Beides fasziniert den 72-Jährigen - schon immer. Erich Jungbluth ist Camper aus Leidenschaft.

Jedes Jahr im April schließt der pensionierte Busfahrer daher seine Wohnung in Eschweiler ab und fährt mit seiner Frau Therese auf den Campingplatz von Dieter Klein in Hetzingen bei Nideggen. Meist kehrt das Ehepaar erst wieder im Winter in seine Innenstadt-Wohnung zurück.

Seit mehr als 20 Jahren wiederholt sich dieses Ritual. «Meine Frau liebt das Campen genauso wie ich», sagt Erich Jungbluth, «anders ginge das auch gar nicht.»

Seit 50 Jahren sind Erich und Therese «Resi» Jungbluth verheiratet. Sogar seine Goldhochzeit hat das Paar kürzlich auf dem Campingplatz gefeiert.

«Wir haben da vorne einen Pavillon aufgebaut», erzählt Therese Jungbluth und deutet auf das Stück Wiese neben dem Caravan. Ein großer Gartenzwerg thront in der Mitte. Auf dem Gartentisch vor dem Ehepaar liegen neben unzähligen Rätselheften noch die Erinnerungsfotos.

«Zwei Tage lang waren Gäste hier», berichtet Erich Jungbluth - darunter Freunde, Nachbarn sowie die drei Kinder, neun Enkel und sieben Urenkel. «Unsere Hochzeit konnten wir vor 50 Jahren nicht so groß feiern.» Dazu habe damals einfach das Geld gefehlt.

Doch jetzt verwirklichte sich das Ehepaar den Traum einer rauschenden Feier samt Kutschenfahrt. Sogar Musiker der Eschweiler Karnevalsgesellschaft Lustige Reserve spielten auf. «Ich bin schon lange Mitglied in der Gesellschaft», erzählt Erich Jungbluth, «meine Frau habe ich auf einer Karnevalssitzung kennen gelernt.»

Das Domizil der beiden Dauercamper ist komfortabel. Im Wohnwagen des Ehepaars gibt es einen Fernseher und sogar einen Computer. Überall stehen Blumen, Vasen oder andere Gefäße herum, an den Wänden hängen Fotos.

Und vor dem mobilen Haus steht mittlerweile ein Vorbau aus Holz. «Wir haben das Vorzelt verkleidet und richtige Fenster eingebaut», verrät Erich Jungbluth. Auf dem Boden liegt Laminat.

«Früher konnten wir nur an den Wochenenden oder in den Ferien mit dem Zelt oder Wohnwagen los», erinnert sich seine Frau, «darauf habe ich mich immer gefreut.» Die 68-Jährige arbeitete als Pflegerin in einem Krankenhaus.

Mittlerweile genießen beide ihre Freizeit, gehen mit den beiden Yorkshire-Terriern Kessi und Robby spazieren. Nur eines macht Mühe: das Einkaufen. Aus gesundheitlichen Gründen fährt Erich Jungbluth nicht mehr mit dem Auto. Und der Weg vom Campingplatz in die Stadt ist weit.

Von Silke Köllmann   (08.09.2003 | 17:33 Uhr)

Quelle: Aachener-Zeitung

 

Echte Camper trotzen der klirrenden Kälte

Nideggen-Brück. Camping, das verbinden wir mit Sonne, Lagerfeuerromantik und Natur pur. Ein entspanntes Vergnügen bei angenehmen Temperaturen eben.

Doch was ist, wenn das Thermometer in den Keller fällt? Wenn Schnee, Eis und Frost den Alltag - und die Nacht - bestimmen, bekommt das Lagerleben eine andere Qualität.

Manche Camper lassen sich auch von 15 Grad minus, wie vergangene Woche erlebt, nicht schrecken. Im Rurtal bei Nideggen fanden wie sie: Dauercamper, die jeder Witterung trotzen. Auf dem Platz von Dieter Klein in Hetzingen bei Nideggen haben wir sie getroffen. DZ-Redakteur Walter Schmühl hat sich in Caravans und Mobilheimen umgesehen.

Draußen dampft der Fluss; die Rur wirkt in diesen eiskalten Tagen wie eine Heizung. Und drinnen dampft frischer Kaffee. Am Ufer haben sich Karl-Heinz Mathes (72) und seine Frau Lieselotte häuslich niedergelassen.

Wie sie die eiskalte Witterung empfinden? «Schön», sagt Mathes schmunzelnd. Kein Wunder, denn die Zentralheizung ihres fahrbaren Eigenheims erzeugt selbst im verglasten Wintergarten mollige 20 Grad.

«Winter ist für uns kein Problem», beteuern die Camper. Sie haben alles, was sie brauchen: Zentralheizung, Küche, ein gemütliches Wohnzimmer - alles auf knapp 40 Quadratmetern - und einen phantastischen Blick in das Rurtal. Der Fluss ist ihr ständiger Begleiter. Nasse Füsse haben sie noch nie bekommen.

Seit 20 Jahren sind Mathes und seine Frau auf dem Campingplatz Stammgäste. Zuerst kamen sie im bescheidenen Caravan, vor sieben Jahren entschloss sich das Ehepaar zu einer komfortablen Lösung: Von einem Heinsberger Hersteller erwarben sie ein Mobilheim. Das Häuschen auf Rädern rollte per Tieflader in Nideggen an. Fahrgestell, Achse und Pneus, alles ist noch vorhanden, aber dank handwerklichem Geschick des Hausherren hinter einer Verkleidung verschwunden. Da bleibt sogar noch Platz für den hauseigenen Bierkeller.

Beim Frühstück in Polstermöbeln erzählen Karl-Heinz und Lieselotte Mathes, wie es sie nach Hetzingen verschlagen hat. Der Camper stammt aus Kreuzau, zog nach Solingen, machte sich dort als Zentralheizungs- und Lüftungsbauer selbstständig, dann zog es ihn zurück in die Eifel. «Wer auf dem Land groß geworden ist, der hält es auf Dauer in der Stadt nicht aus», hat Mathes erfahren.

In Solingen wohnen die Eheleute mitten in der Stadt. Den Verkehrslärm und die Hektik wollten sie eines Tages nicht mehr ertragen. Mathes: «Beim Blick aus dem Fenster sieht man in Solingen höchstens einen Baum.» Also machte sich das Paar auf die Suche nach einem Zweitwohnsitz. Auf dem Campingplatz wurde man fündig. «Hier wollen wir nicht mehr weg», ist sich das Paar ganz sicher. Das Mobilheim ist längst zum Dauerwohnsitz geworden. Und in Solingen sehen sie nur gelegentlich nach dem Rechten. Oder besuchen beim Geburtstag ein Enkelkind.

Die Dauer-Camper gehören zu einer kleinen Schar von Unentwegten, die ständige Gäste auf dem Platz in Hetzingen sind. Heinz Klein, Betreiber der Anlage, verwaltet im Rurtal insgesamt 400 Stellplätze, davon sind 300 für Stammkunden reserviert, den Rest teilen sich Saisongäste. Klein schätzt, dass etwa mehr als ein Dutzend Kunden im Prinzip das ganze Jahr über bleiben.

Dazu gehören auch Siegfried (66) und Mareike Hoffmann (58) aus Krefeld. Sie leben in einem Caravan mit Vorbau und Pavillon. Sie zählen zu den treuen Gästen, kamen vor 30 Jahren in das Rurtal. «Gibt es etwas Schöneres», sagt Mareike Hoffmann.

Die gebürtige Niederländerin sieht aus dem Fenster und zeigt auf Burg Nideggen. Sie schätzt die Natur und die geradezu theatralische Kulisse: «Für uns Flachland-Tiroler sind das schon richtige Berge.» Ob sie jemals Langeweile hätte in ihrem Caravan? Mareike Hoffmann lacht: «Wir joggen, fahren Rad, einmal die Woche steht das Tropic-Bad in Kreuzau auf dem Programm. Wir finden hier alles, was unser Herz begehrt.»

Das rauhe Klima kann ihnen wenig anhaben. Geheizt wird mit Propangas. «Wir kriegen unseren Caravan damit so warm, dass wir notfalls nackt hier sitzen könnten», lacht Siegfried Hoffmann. Dann zeigt der gelernte Maschinenbautechniker auf seinen Pavillon; da bewahrt er seine Hanteln auf. Notfalls kann er sich mit sportlichen Übungen wärmen.

   (12.01.2003 | 17:57 Uhr)

Quelle: Aachener-Zeitung

 
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